
Zerbrechliche Erinnerungen
Am 6. Februar 2023 machten zwei gewaltige Erdbeben in Kahramanmaraş und Umgebung das Gedächtnis einer Stadt augenblicklich dem Erdboden gleich.
Erst das Beben, dann der Einsturz; zurück blieben Trümmer, Leere und stumme Zeugen. In dieser Serie machen die mit der digitalen Pinhole-Technik aufgenommenen Fotografien nicht nur den Moment der Katastrophe, sondern auch den darauffolgenden Prozess sichtbar.
Die Brachflächen, die an die Stelle der Trümmer getreten sind, beginnen sich mit der Zeit mit neuen Gebäuden zu füllen. Doch im Fundament eines jeden neuen Bauwerks ist das Echo der verlorenen Leben noch immer spürbar. Diese Fotografien tragen das stumme Zeugnis der von Schmerz geprägten Transformation einer Stadt in sich.
Dass sie mit der digitalen Pinhole-Technik aufgenommen wurden, lässt die scharfe Realität verschwimmen; sie machen das Gedächtnis, das zwischen Schmerz, Chaos und Wiederaufbau hin- und herpendelt, schemenhaft sichtbar. Jede Aufnahme trägt die Schwere der Zerstörung, die Stille der Leere und die seltsame Mischung aus Hoffnung und Trauer des Wiederaufbaus in sich.
Die unscharfen Bilder vertiefen die unauslöschlichen Spuren in unserem Gedächtnis noch weiter. Die unvollkommene, zittrige und vage Bildsprache der digitalen Pinhole-Fotografie hält nicht nur das Chaos des Erdbebens fest, sondern auch die Wandlung der Trümmer in Leere und die neu entstehenden Bauwerke.
Jedes Bild macht sowohl das Schließen als auch das Wiederaufreißen der Wunden im Gedächtnis einer Stadt sichtbar. Diese Fotografien dokumentieren nicht nur eine Katastrophe; sie verkünden zugleich die zeitliche Transformation des Erinnerns und des Nicht-vergessen-Könnens.















